Ergonomie am Arbeitsplatz

Ergonomie ist die Anpassung der Arbeit an den Menschen. Wenn die Arbeit an den Menschen angepasst werden soll, ist es wichtig Muskeln und Gelenke zu betrachten.

Wie setze ich meine Kräfte am besten ein?  
Der Mensch ist eine phantastische Konstruktion und seine Funktionsweise wird von keinem technischen Wunderwerk übertroffen.

Zweifellos ist der Mensch gleichermaßen für körperliche und geistige Arbeit geschaffen und durch Einsatz unseres Intellekts – durch Nachdenken über unsere körperliche Arbeit – haben wir alle die Möglichkeit, das ganze Leben gesund zu bleiben. 

Das ist wohl die Grundlage aller Lebensqualität: „ein gesunder Geist in einem gesunden Körper“. 

EU Fokus auf Ergonomie

Umfrage zu Arbeitsbedingungen
Das Europäische Institut zur Verbesserung der Lebens und Arbeitsbedingungen in Dublin führte 1996 Untersuchung der Arbeitsverhältnisse durch (Interviews eines repräsentativen Querschnitts der erwerbstätigen Bevölkerung, etwa 1.000 Arbeitnehmer in jedem EU-Staat, d.h. 15.800 Personen). Bei dieser Untersuchung nannten 30% der Befragten Rückenschmerzen als häufigste Gesundheitsbeschwerden. Diese Problemstellung ist also ernst zu nehmen. 

Arbeitsplatzbeurteilung entsprechend der EU-Richtlinie 89/391/EWG vom 12. Juni 1989
Um einen Überblick über die Arbeitsverhältnisse in einem Unternehmen zu bekommen, bietet sich eine Arbeitsplatzbeurteilung an. Innerhalb der EU wird dies durch die EU-Richtlinie 89/391/EWG vom 12. Juni 1989 (Richtlinie des Rates über die Durchführung von Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Arbeitnehmer bei der Arbeit) geregelt. Eine Arbeitsplatzbeurteilung wird in Zusammenarbeit zwischen dem Arbeitgeber, dem Mitarbeiter und der Sicherheitsorganisation des Unternehmens durchgeführt und bildet einen guten Ausgangspunkt für einen Handlungsplan und Prioritäten bei der Verbesserung der Arbeitsverhältnisse. 

Die Arbeitsplatzbeurteilung dient insbesondere dazu, den durch Arbeit entstandenen physischen Verschleiß zu beseitigen oder zu vermindern. Die Arbeitsplatzbeurteilung hat einen gut eingerichteten, flexiblen Arbeitsplatz mit vernünftiger Arbeitsgestaltung zum Ziel. 

Die Arbeitsschutzgesetze der EU schreiben vor, dass manuelles Hantieren, das Gefahren für Sicherheit oder Gesundheit mit sich bringt, zu vermeiden ist. Ist es unvermeidlich, so sind wirksame Maßnahmen zum Schutz gegen die Gefahren zu ergreifen. Geeignete technische Hilfsmittel sind einzusetzen, wenn dies möglich und sinnvoll ist und immer dann, wenn das manuelle Hantieren die Gesundheit gefährdet.

Was bedeutet Ergonomie?

Ergonomie ist die Anpassung der Arbeit an den Menschen. Bei der Anpassung der Arbeit an den Menschen - den Mitarbeitern des Unternehmens - ist es wichtig, Muskeln und Gelenke zu berücksichtigen.

Bei Muskelbelastung wird zwischen statischer und dynamischer Belastung unterschieden. 

  • Bei der statischen Arbeit befinden sich die Muskeln in einem konstanten Spannungszustand - dabei kommt es kurzfristig zu Ermüdung und Muskelschmerzen und langfristig häufig zu krankhaften Veränderungen von Muskeln und Sehnen.
  • Bei dynamischer Arbeit werden die Muskeln abwechselnd gespannt und entspannt, und die Gelenke werden ständig bewegt. Diese Art von Arbeit regt den Kreislauf an, da frisches Blut mit Sauerstoff und Nährstoffen ständig den Muskeln zugeführt wird.

Für die Gelenke gilt es, dass sie ständig in und um ihre „Mittelstellung“ herum arbeiten sollten – die natürliche Ruhestellung der Gelenke. Damit wird der Knorpel in den Gelenken am wenigsten belastet, und Gelenkabnutzung wird vorgebeugt. 

Das Schultergelenk arbeitet am besten, wenn der Oberarm herabhängt. Der Ellenbogen verträgt schwere Arbeit am besten in einem Winkel von etwa 120°, leichte Arbeit in einem Winkel von etwa 90°.  

Das Handgelenk arbeitet am besten in gerader Stellung in Verlängerung des Unterarms oder leicht zurückgebeugt, mit dem Daumen schräg aufwärts/einwärts. 

Die Fingergelenke arbeiten am besten in leicht gebeugter Stellung. 

Für die Beine ist der Wechsel zwischen Stehen, Gehen und Sitzen am besten.

Der Rücken arbeitet in aufrecht stehender Stellung am besten und wird in dieser Stellung am wenigsten belastet, da die Wirbelsäule ihre natürliche Krümmung einnimmt.

Arbeitsplatzgestaltung

Unsachgemäße Faktoren beim manuellen Heben und Bewegen von Lasten sind z.B., 

  • wenn schnell oder schräg zur Körperachse zu heben ist,
  • wenn das Heben ruckartig begonnen oder beendet wird, 
  • wenn Rücken/Nacken verdreht, vorwärts oder seitwärts gebeugt werden. Die Belastung steigt mit dem Grad der Beugung, Verdrehung sowie mit der Dauer,  
  • wenn die Arme gehoben werden, insbesondere wenn die Hände über Schulterhöhe gehoben werden,
  • wenn aus niedrigen Höhen gehoben wird, da nicht nur die Last, sondern auch der Körper, gehoben werden muss,
  • wenn aus niedrigen Höhen gehoben wird, da nicht nur die Last, sondern auch der Körper, gehoben werden muss, 
  • wenn von der Seite oder mit nur einer Hand gehoben wird, da dabei der Rücken etwa doppelt so stark belastet wird, wie beim beidhändigen Heben vor dem Körper. 

Für die Arbeitsplatzgestaltung gibt es verschiedene Lösungen, u.a.

  • dass die Hilfsmittel in Bezug auf die Arbeit und den Anwender gestaltet sind. Erfordert das Heben keine Kraft, ist es vorteilhaft, wenn die Hilfsmittel sowohl stehend als sitzend benutzt werden können, 
  • dass der Abstand zur gewünschten Last während des gesamten Hubvorgangs, d.h. vom Ergreifen zum Abstellen der Last, so kurz wie möglich ist,
  • dass die Arbeitshöhe so angepasst werden kann, dass eine optimale Arbeitsstellung möglich ist, d.h. die Last befindet sich nahe am Körper, zwischen Schenkelmitte und Ellenbogen, so dass der Rücken weder verdreht noch gebeugt wird.